Megatrends. Chancen und Risiken für KMU
Grosse Umfrage bei KMU - Neue Studie der Credit Suisse
Zürich, 26. Juni 2007
Knapp 1 500 kleine und mittlere Unternehmen (KMU) wurden von den Ökonomen der Credit Suisse zu ausgewählten Megatrends befragt. Das Schwerpunktthema bildete dabei der Megatrend "Demographie".
Laut der Umfrage wird in hochgerechnet 185 000 KMU die Nachfolgeregelung bis 2017 ein Thema. Doch nur die Hälfte der KMU diskutiert mögliche Lösungen. In Bezug auf die Mitarbeitenden scheint das Problem derzeit nicht akut. Der Alterung des Personals wird mit der Anstellung junger Arbeitskräfte entgegen gewirkt. Dies genügt in zehn Jahren aber nicht mehr. Um ältere Beschäftigte im Betrieb zu behalten, werden Massnahmen wie Teilzeit im Alter immer wichtiger. Bereits heute arbeiten in rund 100 000 KMU Personen, die über 65 Jahre alt sind. Jedes dritte KMU hat Senioren als wichtige Kundengruppe erkannt und jedes vierte hat Initiativen umgesetzt, um von diesem Wachstumsmarkt zu profitieren. Den Megatrend Demographie bewerten in etwa gleich viele KMU als Chance wie als Risiko. Bei der Wissensgesellschaft, dem technologischen Fortschritt sowie dem Wertewandel überwiegen die Chancen. Die Globalisierung und die Ressourcenknappheit stufen die KMU hingegen überwiegend als Risiko ein.
Megatrends prägen unsere Lebens- und Arbeitswelt bereits heute, doch ihre Bedeutung wird sich in den nächsten zwei Jahrzehnten noch verstärken. Die Credit Suisse betrachtet das Thema gezielt aus dem Blickwinkel der KMU. Die Ökonomen der Credit Suisse haben knapp 1 500 KMU aus den unterschiedlichsten Branchen befragt. "Die Partnerschaft mit den KMU ist ein Kerngeschäft für die Credit Suisse. Wir verstehen uns als strategischer Begleiter und wollen gezielt auf die Bedürfnisse der KMU eingehen. Als Geschäftspartner sind wir sehr an deren Erfolg interessiert. Megatrends und deren voraussichtliche Auswirkungen zu diskutieren, ist deshalb wichtig für uns", erläutert Hans Baumgartner, Leiter Firmenkunden Schweiz - KMU. Die Resultate der künftig jährlich durchgeführten repräsentativen Umfrage liegen nun vor und wurden in einer Studie zusammengefasst. In diesem Jahr bildet der Megatrend «Demographie» das Schwerpunktthema.
KMU sehen die Zukunft optimistisch Die Megatrends bergen für die KMU insgesamt mehr Chancen als Risiken. Jede zweite KMU (48 Prozent) bewertet die Auswirkungen der sechs Megatrends (Wissensgesellschaft, Globalisierung, Wertewandel, Ressourcenknappheit, technologischer Fortschritt und Demographie) auf ihr Geschäft insgesamt als Chance. Für knapp 29 Prozent der Antwortenden überwiegen die Risiken. Dies ergibt per Saldo (Chancen minus Risiken) einen Überhang an optimistischen Antworten von 19 Prozent.
Wissen und technologischer Fortschritt als chancenreichste Megatrends Am meisten Chancen orten die KMU im Megatrend der Wissensgesellschaft. Drei Viertel der KMU sind zuversichtlich, dass sich die Tertiarisierung, die zunehmende Wissensdurchdringung sowie die Weiterbildung bis ins hohe Alter günstig auf ihr Geschäft auswirken werden. Ebenfalls überwiegend Chancen erkennen die KMU im technologischen Fortschritt. Beinahe zwei Drittel stimmt dieser Megatrend optimistisch. Ebenfalls positiv bewerten die KMU den facettenreichen Wertewandel, wenn auch weniger euphorisch als die Wissensgesellschaft und den technologischen Fortschritt.
Ressourcenknappheit und Globalisierung: Die Risiken überwiegen Pessimistisch fallen dagegen die Umfrageergebnisse im Hinblick auf die Ressourcenknappheit und die Globalisierung aus. Bei beiden Megatrends überwiegt der Anteil der KMU, welche diese als Risiko einstufen. Bezüglich der Ressourcenknappheit dürften die steigenden Rohstoffpreise und die Versorgungsengpässe beim Strom zu diesem Ergebnis beigetragen haben. Die Globalisierung wird insgesamt als derjenige Megatrend mit den grössten Risiken angesehen, obwohl die Schweizer Wirtschaft jeden zweiten Franken im Ausland verdient. Offensichtlich befürchten die KMU, dass die Globalisierung zu weiteren Wettbewerbsverschärfungen führen könnte. Bemerkenswert sind in diesem Zusammenhang die unterschiedlichen Einschätzungen der Branchen. Für binnenorientierte Branchen, wie den Bau, das Gewerbe, die traditionelle Industrie und den Handel, überwiegen die Risiken, während die exportorientierte Industrie sowie der Tourismus tendenziell Chancen erkennen.
Schwerpunktthema Demographie: Vom Alter profitieren nicht alle KMU Die Balance zwischen den Generationen gerät aus den Fugen. Es gibt immer weniger Kinder, und die Lebenserwartung steigt. In 30 Jahren wird bereits jeder vierte Einwohner unseres Landes über 65 Jahre alt sein. Die Demographie bildet das Schwerpunktthema der diesjährigen Umfrage und wird daher in der Studie ausführlicher als die anderen Megatrends behandelt. Dabei geht einerseits um das aus der Alterung resultierende Marktpotenzial und andererseits um die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Die Einschätzungen der KMU zur demographischen Herausforderung sind gemäss Umfrage gespalten - positive und negative Antworten halten sich in etwa die Waage.
Marktpotenzial Senioren: Erst ein Drittel der KMU ist bereits aktiv geworden Die zukünftigen knapp zwei Millionen Senioren sind meist gesund, entsprechend aktiv und vermögend - sie werden also zu einer interessanten Kundengruppe. Gemäss der Umfrage der Credit Suisse sind 35 Prozent der KMU im Hinblick auf die demographischen Veränderungen aktiv geworden oder planen dies zu tun. Knapp jede vierte KMU hat bereits Massnahmen umgesetzt, um Senioren als Kunden zu halten oder zu gewinnen. Diese passen hauptsächlich bestehende Produkte und Dienstleistungen an oder beziehen die spezifischen Bedürfnisse älterer Menschen bei der Neuentwicklung stärker mit ein als bislang. Als dritthäufigste Massnahme wird die seniorengerechte Werbung und Kommunikation genannt. Diejenigen KMU, die keine Massnahmen vorgesehen haben, begründen dies mehrheitlich damit, dass sie keinen Anstieg des Kundenalters erwarten. Vermutlich sind dies KMU, welche ein explizit jugendliches Zielpublikum anstreben. Zudem dürften gewisse Unternehmen die Bevölkerungsszenarien bisher wenig berücksichtigen. Die Alterung ist aber bereits Realität: Laut Umfrage hat der Kundenstamm der Über-65-Jährigen bei einem Drittel der KMU deutlich zugenommen.
Arbeitende Rentnerinnen und Rentner Auch aus der Perspektive des Arbeitsmarktes ändert sich in den kommenden Jahrzehnten einiges. Während sich die Babyboomer allmählich aus dem Arbeitsleben zurückziehen, rücken die geburtenschwachen Jahrgänge nach. Die Erwerbsbevölkerung dürfte laut Bundesamt für Statistik ab 2019 abnehmen. Insbesondere jüngere Mitarbeitende werden immer schwieriger zu finden sein. Die Unternehmen sind deshalb vermehrt darauf angewiesen, ihre älteren Mitarbeitenden länger zu beschäftigen, unter Umständen bis über das Pensionierungsalter hinaus.
Alternde Belegschaft bei den KMU - mittelfristig sind weitere Massnahmen notwendig 73 Prozent beziehungsweise 213 000 KMU erwarten in der nahen Zukunft keine wesentliche Alterung der Belegschaft. Offenbar reicht es heute aus, der Alterung des Personals mit der Anstellung junger Arbeitskräfte entgegenzuwirken. Jedes zweite KMU setzt auf diese Massnahme. Die Altersstruktur der KMU dürfte sich jedoch gemäss den Ökonomen der Credit Suisse in zehn Jahren stark verändern, so dass weitere Massnahmen notwendig werden. Altersteilzeit sowie die vermehrte Berücksichtigung der Bedürfnisse älterer Mitarbeitender werden an Bedeutung gewinnen. Bereits heute beschäftigen 28 Prozent beziehungsweise hochgerechnet rund 100 000 KMU regelmässig oder gelegentlich Personen im AHV-Alter. Eine systematische Analyse und Prognose der innerbetrieblichen Altersstruktur helfen frühzeitig nötige Anpassungen vorzunehmen.
Nachfolgeregelung wird dringend Zwei Drittel der Unternehmer in der Schweiz stehen in der zweiten Lebenshälfte und müssen sich Gedanken über ihre Nachfolge machen. In 64 Prozent beziehungsweise in hochgerechnet beinahe 185 000 Schweizer KMU ist laut Umfrage die Nachfolgeregelung in den kommenden zehn Jahren ein Thema. "Die Schweizer Unternehmenslandschaft steht vor grösseren Umwälzungen" meint Martin Neff, Leiter Schweizer Wirtschaft. Derzeit thematisiert werden die Nachfolgeregelungen gemäss Umfrageergebnissen in jedem dritten KMU. Nicht in allen Branchen ist die Thematik gleichermassen dringlich. Die grössten Anteile an KMU, in denen aktuell Nachfolgeregelungen anstehen, finden sich im Baugewerbe (50 Prozent), im übrigen Gewerbe (40 Prozent) und in der Industrie (40 Prozent). | |