Edelmetalle: Die Rally nimmt spekulativere Züge an
Edelmetalle setzten diese Woche ihre bemerkenswerte Rally fort, nachdem der USD auf ein Rekordtief gegenüber dem EUR gesunken war. Im Wochenverlauf durchbrach EUR/USDWechselkurs die psychologisch wichtige Marke von 1.50, wodurch die bereits positive Stimmung in Bezug auf Edelmetalle zusätzlich beflügelt wurde. Käufe seitens Finanzinvestoren werden ferner durch steigende Inflationsraten angeregt, da dies die Marktteilnehmer vermehrt Edelmetall-Investments in Betracht ziehen lässt. Gold wird derzeit bei über USD 970 gehandelt, und Silber kostet knapp unter USD 19.60. Die Preise für Platin und Palladium liegen bei USD 2’150 bzw. USD 565.
Neben dem Stimmungsaufschwung nimmt die Rally bei Edelmetallen zunehmend spekulativen Charakter an. Der fundamentale Nachrichtenfluss ist insbesondere für Gold eher negativ. So zeigen beispielsweise die aktuellen Zahlen des World Gold Council zur physischen Goldnachfrage und zum physischen Goldangebot, dass die Nachfrage im 4.Q im Zuge des starken Preisanstiegs etwas gelitten hat. Im 4.Q ging die Goldnachfrage der Schmuckindustrie um über 18% YoY zurück. Die Minenproduktion ging zwar ebenfalls zurück. Dennoch herrschte am Markt im 4.Q ein Überschuss von 174 Tonnen. Bezogen auf das Gesamtjahr 2007 liegt noch immer ein Angebotsdefizit von 78 Tonnen vor. Im 4.Q hat sich die Situation jedoch etwas verschlechtert. Hinzu kommt, dass der IMF möglicherweise 400 Tonnen Gold verkaufen wird, um dass steigende Defizit abzudecken. Die Pläne müssen zwar noch vom US-Repräsentantenhaus genehmigt werden; allerdings ist die Wahrscheinlichkeit einer Zustimmung sehr hoch.
Obwohl der Verkauf über mehrere Jahre verteilt erfolgen soll, bedeutet er dennoch ebenfalls einen Anstieg des Angebots am Markt. Nach unserer Einschätzung deutet die Angebots- Nachfrage-Dynamik eher in Richtung einer Konsolidierung der Preise. Momentan zeichnet sich eine solche Entwicklung jedoch nicht ab. Die erneute Schwäche des USD und die steigende Inflation sorgen für einen signifikanten Zustrom an Liquidität in den Edelmetallkomplex. Da diese Liquiditätsströme tendenziell kurzfristiger Natur sind, nimmt die Preisrally spekulativere Züge an und verliert unseres Erachtens an Stabilität. Bestätigt wird diese Einschätzung durch die Tatsache, dass Silber und Palladium in den letzten beiden Wochen eine deutliche Outperformance gegenüber Gold gezeigt haben. Beide Metalle sind gekennzeichnet durch eine schwache fundamentale Angebots-Nachfrage-Situation und üblicherweise deutlich volatiler als Gold und Platin. Sie profitieren tendenziell am stärksten, wenn der Sektor spekulative Mittelzuflüsse verzeichnet.
Bei der Einschätzung, ob die aktuellen Entwicklungen tatsächlich im Wesentlichen aus der Dollar-Abschwächung und der Inflationsabsicherung resultieren, hilft ein Blick auf die Korrelationen. Abbildung 4 zeigt die Entwicklung der Korrelationen zwischen verschiedenen Edelmetallen und dem EUR/USD-Wechselkurs. Während der Einfluss des Devisenmarkts auf die Edelmetalle seit August 2007 zugenommen hat, ist in den letzten beiden Wochen, vor allem bei Palladium und Silber, ein deutlicher Anstieg zu beobachten. Dies bestätigt unsere Einschätzung, dass die Rally zunehmend spekulativer und vermutlich auch instabiler wird.
Was ist dem Anleger zu raten? Jedenfalls muss über alle Edelmetalle hinweg mit stärkeren Preisausschlägen gerechnet werden. Die Platin- und Goldpreise werden unsere Erachtens weiter durch gute Fundamentalfaktoren gestützt. Nach den rapiden Steigerungen der letzten Monate dürfte sich die Preisrally etwas verlangsamen. Gleichwohl gehen wir nach wie vor davon aus, dass Gold später im Jahr die Marke von USD 1’000 übersteigen wird. Preise von USD 900 oder niedriger werten wir als Kaufgelegenheit. Bei Silber und Palladium sind wir mittlerweile vorsichtiger eingestellt. Das Risiko einer Korrektur ist hier sehr hoch. Nach dem jüngsten Überschiessen der Preise könnte eine Aufwertung des USD Preisabschläge auslösen.
Quelle: CS
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