US-Wirtschaft - Aussicht mit Fragezeichen
03.11.09 20:26

 


US-Wirtschaft - Aussicht mit Fragezeichen
Die schwere Finanzkrise ist überwunden, doch eine Rückkehr zu alten Zeiten ist unwahrscheinlich. Denn dazu fehlt der US-Konsument.

Die gute Nachricht gleich vorweg: die Weltwirtschaft hat es geschafft. Der schlimmste Konjunktureinbruch seit der schweren Krise in den 30er-Jahren konnte dank zahlreicher und milliardenschwerer Wirtschaftsprogramme und dank einer unkonventionellen Geldpolitik der Notenbanken überwunden werden. Die Wirtschaft wächst wieder, auch im Mutterland des Notstands, in den USA.

Dort ging es im dritten Quartal mit einem auf das Gesamtjahr hochgerechneten Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 3,5 Prozent sogar wesentlich stärker aufwärts als von vielen Analysten erwartet. Trotz dieser guten Zahl, die Partylaune scheint seit einigen Tagen an der Börse in New York verflogen zu sein. Denn die 3,5 Prozent waren eigentlich ein Muss, nach den zahlreichen Geldspritzen. „Wenn wir Billionen in die Wirtschaft gesteckt und nun ein Minus bekommen hätten, wäre das ein furchtbares Signal für den Markt gewesen“, so Hank Smith von Haverford Trust.

Was kommt nach Abwrackprämie und Steuergeschenken? Nun richtet man seine Augen wieder nach vorne. Und da gibt es durchaus einige schwarze Wolken am Horizont zu sehen. Die größte dürfte der Privatkonsum sein. Denn die US-Verbraucher sind über beide Ohren verschuldet. Diese noch einmal zu einem ungehemmten Verbrauch zu motivieren, dürfte schwer fallen. Zwar sind im dritten Quartal die privaten Ausgaben mit 3,4 Prozent so stark gestiegen wie seit fast zweit Jahren nicht mehr, doch diese dürften hauptsächlich durch die Autoabwrackprämie und Steuergeschenke ausgelöst worden sein. Experten schätzen, dass allein die Abwrackprämie, die nun ausläuft, einen Prozentpunkt zum Gesamtplus beigetragen haben dürfte.

Eine Volkswirtschaft ändert ihren Charakter. Doch was kommt jetzt? Rund 70 Prozent der US-Wirtschaftsleistung wird durch den Privatkonsum getragen. Verweigert der US-Verbraucher sein Zutun, weil Schulden drücken und Arbeitslosigkeit droht, strauchelt die gesamte US-Wirtschaft. Mehr als jede andere westliche Industrienation ist die USÖkonomie eine Konsum-Ökonomie.

Ein riesiges Problem, denn in aktuellen Umfragen ist der Anteil der Menschen, die sich in den nächsten Monaten ein Haus, ein Auto oder ein anderes größeres Konsumgut anschaffen wollen, wieder deutlich zurückgegangen. Gleichzeitig sinkt das Vertrauen in die eigene Kraft. Was die Amerikaner groß gemacht hat, Zuversicht und positives Denken, löst sich in Luft auf. Eine ganze Volkswirtschaft ändert ihren Charakter, eine Entwicklung, die bislang nur von den wenigsten Analysten erkannt worden ist.

Unter diesem Aspekt erscheint eine schnelle Rückkehr der USA in ihre Position als globale Konjunkturlokomotive als sehr unwahrscheinlich. Denn dies würde einen erneuten kreditgetriebenen Konjunkturzyklus voraussetzen, doch davon ist im Moment weit und breit nichts zu sehen.



Quelle: RBS

 

 

 

 

 

 
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