Schweizer KMU: Kaum konjunkturelle Entlastung - steigende administrative Belastung
05.11.09 08:22

 


Schweizer KMU: Kaum konjunkturelle Entlastung – steigende administrative Belastung

Gemäss der aktuellen UBS-Erhebung vom September verbesserten sich die  Geschäfte der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) im dritten Quartal nur marginal: Die Einbrüche bei Cashflow und Umsätzen konnten zwar etwas abgebremst werden, die Personalbestände wurden aber weiterhin reduziert. Die Unternehmen rechnen zum Jahresendquartal nicht mit einer substantiellen Verbesserung der Geschäftslage. Gemäss Angaben der KMU hat die administrative Belastung in den vergangenen zwölf Monaten tendenziell zugenommen.

Zürich/Basel, 5. November 2009 – Trotz Anzeichen einer wirtschaftlichen Stabilisierung haben viele KMU weiterhin mit konjunkturellen Turbulenzen zu kämpfen. Dies zeigen die Resultate aus der letzten Umfrage, welche UBS in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Gewerbeverband (sgv) im Rahmen des UBS KMU-Barometers quartalsweise durchführt. Zwar konnte der Rückgang der Umsätze und des Cashflows im dritten Quartal leicht abgebremst werden, doch liegen beide Indikatoren nach wie vor unter dem Vorjahresniveau und auch der Preisdruck bleibt bestehen. Der konjunkturelle Abschwung hinterlässt auch im Arbeitsmarkt Spuren. Die KMU haben ihre Personalbestände weiter reduziert; im aktuellen Abschwung allerdings weniger stark als ihre grösseren Konkurrenten.

Das grosse Aufatmen wird – so die Erwartungen der Schweizer KMU – auch im vierten Quartal ausbleiben: Umsätze und Cashflow bleiben weit hinter ihrem Vorjahresniveau zurück, die Personalbestände werden weiter reduziert. Dieses Jahr befragten UBS und der sgv die 535 teilnehmenden KMU zum ersten Mal, wie sich die administrative Belastung ihrer Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten entwickelt hat. Mit einer Ausnahme – der Uhrenindustrie – gaben sämtliche Branchen an, dass die administrative Belastung der KMU gestiegen ist.


Industrie noch lange nicht auf Vorjahresniveau

Die KMU in der Industrie wurden am stärksten von der Rezession getroffen, doch lassen die aktuellen Umfrageergebnisse nun positive Elemente erkennen.

So stellte sich im dritten Quartal eine gewisse Stabilisierung ein – Umsätze und Cashflow sind im Vergleich zum Vorjahr etwas weniger stark gesunken als noch im zweiten Quartal. Jedoch schrumpften die Auftragsbücher weiter und in der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie kämpften die KMU weiterhin mit einem starken Einbruch der Exportumsätze. Obwohl die Erwartungen zur Geschäftsentwicklung im vierten Quartal eine weitere Stabilisierung anzeigen, bleiben die Umsatz- und Gewinnniveaus des Vorjahres weiterhin unerreichbar und die Personalbestände reduzieren sich weiter. Das Geschäftsklima der zu Vergleichszwecken befragten Grossunternehmen ist im Verlauf der laufenden Rezession zwar stärker gesunken, doch tritt jetzt auch die Stabilisierung etwas rascher ein als bei den KMU. Sie scheinen etwas schneller vom Anziehen der globalen Handelsströme zu profitieren.


Relativ geringer Stellenabbau im Dienstleistungssektor

Auch im Dienstleistungssektor wurde der Rückgang der Umsätze im dritten Quartal moderater. Der Cashflow hingegen ist weiter unter das Vorjahresniveau abgerutscht. Der Personalbestand blieb relativ stabil und die Umfrageresultate vom September deuten weiterhin auf einen vergleichsweise geringen Stellenabbau hin. Im vierten Quartal erwarten die befragten Unternehmen zwar eine klare Annäherung der Umsätze ans Vorjahresniveau, doch wird der Druck auf die Preise und den Cashflow kaum nachlassen.


Tourismus erwartet ein weiteres schwieriges Quartal

Die kleinen und mittleren Tourismusbetriebe litten auch im dritten Quartal vor allem unter dem Ausbleiben ausländischer Gäste. Doch auch die Nachfrage inländischer Gäste reduzierte sich im Vergleich zum Vorjahr. Die Branchenexponenten erwarten im vierten Quartal zumindest kein noch stärkeres Einbrechen der Gäste- und Umsatzzahlen. Die Vorjahreszahlen bleiben jedoch ausser Reichweite, in der Restauration noch ausgeprägter als in der Hotellerie.


Detailhandel: Verbesserung wider Erwarten

Die Umsatzlage der kleinen und mittleren Detailhandelsunternehmen hat sich im dritten Quartal erneut und wider Erwarten verbessert, trotz anhaltendem Preisdruck. Auch in dieser Branche wird erwartet, dass die Geschäfte im vierten Quartal nicht noch weiter einbrechen; Cashflow und Umsätze verbleiben allerdings auch hier deutlich unter dem Vorjahresniveau. Gemäss Umfrage und im Vergleich zu den KMU werden die Grossunternehmen im Detailhandel mehr Personal abbauen. Sie hegen aber trotz höherem Preisdruck optimistischere Erwartungen zur Entwicklung des Cashflows als die kleinen und mittleren Unternehmen.


Leichtes Nachlassen des Preisdrucks bei den KMU im Baugewerbe im vierten Quartal

Die Auftragseingänge der KMU im Baugewerbe stagnierten im vergangenen Quartal. Sowohl im Hochbau wie auch im Tiefbau erwartet man in der Branche im kommenden Quartal einen Rückgang der Auftragseingänge im Vorjahresvergleich. Unter dem branchenweiten Preisdruck litten im vergangenen Quartal sowohl die grossen wie auch die kleinen und mittleren Bauunternehmen. Im Ausblick auf das Jahresschlussquartal erwarten die KMU allerdings ein leichtes Nachlassen des Preisdrucks – eine Erwartung welche ihre grösseren Konkurrenten nicht teilen.


Erläuterungen zur Methodik des UBS KMU-Barometers


Das UBS KMU-Barometer basiert auf einer Auswertung der seit 1975 durchgeführten UBS-Umfrage in der Industrie. Diese wurde im 3. Quartal 2006 um Dienstleistungsbetriebe ergänzt. Quartalsweise werden rund 1300 Betriebe (1000 KMU und 300 Grossunternehmen) befragt, die einen repräsentativen Querschnitt der schweizerischen Volkswirtschaft darstellen. Dabei werden Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten zu den KMU gerechnet. Die Auswertung erfolgt mittels sogenanntem Diffusionsindex: Das Resultat entspricht dem gewichteten Mittel des Anteils der Unternehmen mit sehr positiver und positiver bzw. negativer und sehr negativer Trendmeldung. Er vermittelt daher keine prozentualen Veränderungsraten. 

 

 

 

 

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