| BFS: Hohe Erwerbsquote und Teilzeitarbeit in der Schweiz |
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Schweizerische Arbeitskräfteerhebung im 2. Quartal 2009
Neuchâtel, 05.11.2009 (BFS) – Im 2. Quartal 2009 waren in der Schweiz 4,28 Millionen Personen erwerbstätig und 182'000 Personen erwerbslos. Gegenüber dem Vorjahr ging der Anteil der erwerbstätigen Personen bei den 15-64-Jährigen leicht zurück, während die Erwerbslosenquote von 3,4 Prozent auf 4,1 Prozent anstieg. Die Abend-, Nacht- und Sonntagsarbeit sowie die Arbeit auf Abruf nahmen in den letzten fünf Jahren leicht zu. Im internationalen Vergleich weist die Schweiz eine hohe Erwerbsbeteiligung sowie einen sehr hohen Anteil an Teilzeitarbeitenden auf. Dies sind einige Ergebnisse der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung des Bundesamtes für Statistik (BFS).
Gemäss der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) zählte die Schweiz im zweiten Quartal 2009 insgesamt 4,28 Millionen Erwerbstätige (ohne Grenzgänger/innen, Kurzaufenthalter/innen und Personen im Asylverfahren). Der Anteil der erwerbstätigen Personen bei den 15-64-Jährigen betrug 79 Prozent, was gegenüber dem Vorjahr (80%) einem leichten Rückgang entspricht. Im selben Zeitraum nahm die Zahl der Erwerbslosen stark zu (+24%) und erreichte den Stand von 182'000 Personen. Die Erwerbslosenquote liegt damit bei 4,1 Prozent.
Hauptgründe für Nichterwerbstätigkeit sind Aus- und Weiterbildung sowie familiäre Verpflichtungen
Der Anteil der nichterwerbstätigen Personen bei den 15-64-Jährigen betrug 17 Prozent (912'000 Personen). 295'000 Personen im Alter von 15 bis 64 Jahren nahmen aufgrund einer Aus- oder Weiterbildung nicht am Arbeitsmarkt teil und 264'000 aus familiären oder persönlichen Gründen. Zudem verzichteten 143'000 Personen aus gesundheitlichen Gründen (Krankheit oder Invalidität) auf eine Erwerbstätigkeit und 140'000 Personen waren pensioniert. Der Anteil der Nichterwerbstätigen ist bei den Frauen (23%, 592'000) höher als bei den Männern (12%, 320'000). Dies ist hauptsächlich auf familiäre oder persönliche Gründe zurückzuführen (251'000 Frauen geben diese Gründe an gegenüber nur 13'000 Männer).
Die erwerbstätige Bevölkerung ist immer besser qualifiziert. Im 2. Quartal 2009 waren 33 Prozent der Arbeitskräfte in der Schweiz im Besitz eines Abschlusses auf tertiärer Stufe (Universität, Hochschule oder höhere Berufsbildung). Vor fünf Jahren lag dieser Anteil lediglich bei 27 Prozent. Innerhalb der letzten fünf Jahre war der Anstieg bei den Frauen grösser (+7,5 Prozentpunkte auf 26%) als bei den Männern (+5,1 Punkte auf 40%) und bei den ausländischen Staatsangehörigen grösser (+8,0 Punkte auf 33%) als bei den Schweizern (+5,6 Punkte auf 34%).
Innerhalb von fünf Jahren ist der Anteil der Erwerbstätigen (ohne Personen in der Lehre), deren Arbeitszeit regelmässig auf den Abend fällt, von 16 Prozent im 2. Quartal 2004 auf 18 Prozent im 2. Quartal 2009 gestiegen. Auch der Anteil der Personen, die in der Nacht arbeiten, hat zugenommen (2004: 4,7%, 2009: 5,1%). Die Frauen arbeiten öfter am Abend (19% der erwerbstätigen Frauen) als die Männer (16%), während die Männer häufiger regelmässig Nachtarbeit leisten (Männer: 5,5%; Frauen: 4,6%). Eine von zehn erwerbstätigen Personen (10%) arbeitet regelmässig am Sonntag; dies ist ein leichter Anstieg innerhalb der letzten fünf Jahre (+0,6 Prozentpunkte).
Die Arbeitsbedingungen sind je nach Branche sehr unterschiedlich. Fünf Wirtschaftsabschnitte sind am stärksten von der Abend- und Sonntagsarbeit betroffen: «Land- und Forstwirtschaft, Fischerei» (31% der Erwerbstätigen arbeiten regelmässig am Abend, 47% am Sonntag), «Verkehr und Lagerei» (23%; 17%), «Gastgewerbe» (49%; 36%), «Gesundheits- und Sozialwesen» (26%; 18%) und «Kunst, Unterhaltung und Erholung» (34%; 25%).
Innerhalb von fünf Jahren hat die Arbeit auf Abruf leicht zugenommen (2004: 6,1% der Arbeitnehmenden, 2009: 6,5%). Im selben Zeitraum hat der Anteil der Arbeitnehmenden mit einem zeitlich befristeten Arbeitsvertrag um 0,7 Prozentpunkte zugenommen und erreichte 6,7 Prozent im Jahr 2009. Anteilsmässig arbeiten mehr Frauen als Männer auf Abruf (8,3%; Männer: 4,9%) und sie sind auch häufiger einem zeitlich befristeten Arbeitsvertrag unterstellt (7,3%; Männer: 6,1%).
Die Schweiz weist europaweit die höchste Erwerbsquote der Männer (25-64 Jahre) auf
Im internationalen Vergleich weist die Schweiz mit 85,8 Prozent eine der höchsten Erwerbsquoten auf (für die 25-64-Jährigen). Nur Island (86,9%) und Schweden (86,1%) registrierten im 2. Quartal 2009 höhere Erwerbsquoten. In der EU-27 beträgt die durchschnittliche Erwerbsquote 77 Prozent; die tiefste Quote verzeichnete Malta (61%).
In der Schweiz ist vor allem die Erwerbsquote der Männer (93%) besonders hoch; diese liegt im europäischen Vergleich (EU-27: 85%) an erster Stelle. Die Erwerbsquote der Frauen (79%) findet sich nur auf dem 7. Platz der EU-/EFTA-Länder (EU-27: 70%). Die höchsten Quoten bei den Frauen weisen die skandinavischen Länder auf (Schweden: 83%, Island: 82%, Norwegen: 81%).
Im 2. Quartal 2009 arbeiteten 33 Prozent der erwerbstätigen Personen in der Schweiz Teilzeit. Im internationalen Vergleich verzeichnen nur die Niederlande einen höheren Anteil Personen mit einem reduzierten Beschäftigungsgrad (48%). Teilzeitarbeit ist in den östlichen Ländern Europas weniger verbreitet; Bulgarien registriert den kleinsten Anteil (2,6%).
Teilzeitarbeit ist bei den Frauen häufiger anzutreffen als bei den Männern. Bei der Hälfte der Vergleichsländer liegt der Unterschied zwischen Männern und Frauen bei über 20 Prozentpunkten. In der Schweiz arbeiten deutlich weniger Männer (13%) als Frauen (57%) Teilzeit; der Unterschied ist also besonders gross (44 Punkte).
Die SAKE ist eine Stichprobenerhebung bei den Haushalten, die seit 1991 jährlich vom Bundesamt für Statistik (BFS) durchgeführt wird. Sie beschreibt die Struktur und die Entwicklung der Erwerbsbevölkerung sowie das Erwerbsverhalten in der Schweiz. Im Hinblick auf die internationale Vergleichbarkeit stützt sich das BFS auf die Empfehlungen des Internationalen Arbeitsamtes und auf die Normen von EUROSTAT zu den Arbeitskräfteerhebungen.
Die SAKE wird von einem privaten Marktforschungsinstitut im Auftrag des BFS durchgeführt. Die Stichprobe im 2. Quartal 2009 umfasst rund 30'000 Haushalte. Ab 2003 wurde die SAKE um eine aus dem Zentralen Migrationsinformationssystem gezogene Spezialstichprobe von 15'000 Ausländerinnen und Ausländern ergänzt. Gemäss dem bilateralen Abkommen über die Zusammenarbeit im Bereich der Statistik wird die SAKE ab 2010 vollständig die Normen von EUROSTAT übernehmen. Die Basisstichprobe wird 105'000 Interviews und die Spezialstichprobe der Ausländerinnen und Ausländer 20'000 Interviews pro Jahr umfassen. Die Erhebung wird fortlaufend geführt und ermöglicht die Produktion von vierteljährlichen Indikatoren zum Arbeitsmarkt.
In jedem ausgewählten Haushalt wird per Zufallsverfahren eine Person bestimmt, die anschliessend während rund 20 Minuten im Rahmen eines Telefoninterviews zu ihren Aktivitäten und ihrer beruflichen Situation befragt wird. Neben arbeitsmarktspezifischen Merkmalen liefert die SAKE auch soziodemografische Informationen über die Befragten und die übrigen Haushaltsmitglieder.
Da die SAKE auf der Basis einer Stichprobe durchgeführt wird, müssen ihre Gesamtergebnisse hochgerechnet werden und unterliegen daher einem gewissen Zufallsfehler. Die Grundgesamtheit der SAKE, die auch als Hochrechnungsgrundlage dient, ist die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz im Alter von 15 oder mehr Jahren gemäss der Statistik des jährlichen Bevölkerungsstandes (ESPOP; Bevölkerung am 31. Dezember des Vorjahres der Erhebung); Grenzgängerinnen und Grenzgänger sowie Personen mit Kurzaufenthaltsbewilligung und Personen im Asylverfahren werden ausgeklammert.
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