BFS: Finanzkrise: Wertschwankungs-Reserven eingebrochen

Berufliche Vorsorge 2008
Finanzkrise: Wertschwankungsreserven eingebrochen


Neuchâtel, 06.11.2009 (BFS) – Die Finanzkrise blieb für die berufliche Vorsorge 2008 nicht ohne Folgen. Bei den Kapitalanlagen ergab sich im Berichtsjahr ein deutlicher Nettoverlust von insgesamt 76,2 Milliarden Franken, der vielerorts allerdings weitgehend buchmässig ausgefallen sein dürfte. Die Wertschwankungsreserven (Ende 2007: 51,5 Mrd. Fr.) beliefen sich per Jahresende auf 8,5 Milliarden Franken. Da diese bei vielen Einrichtungen nicht ausreichend dotiert waren, erhöhte sich die Unterdeckung ebenso spürbar auf 57,3 Milliarden Franken (2007: 17,8 Mrd. Fr.). Zudem mussten die freien Mittel von 9,4 Milliarden auf 1,3 Milliarden Franken abgebaut werden. Als Folge des Kurszerfalls auf den Anlagemärkten verminderte sich die Bilanzsumme auf 537 Milliarden Franken (-11,3%). Dies geht aus den vom Bundesamt für Statistik publizierten provisorischen und mittels Stichprobe ermittelten Ergebnissen der Statistik der beruflichen Vorsorge 2008 hervor.

 

 

Mehr aktive Versicherte, weniger Vorsorgeeinrichtungen und nahezu stabiles Beitragsvolumen

Da die Realwirtschaft bis Ende 2008 von der Finanzmarktkrise noch weitgehend verschont blieb, stieg die Anzahl der aktiven Versicherten weiter auf über 3,65 Millionen (+3%; inkl. Mehrfachversicherte). Der negative Trend bei der Anzahl Vorsorgeeinrichtungen mit reglementarischen Leistungen und aktiven Versicherten blieb demgegenüber ungebrochen: Ende 2008 gab es noch rund 2430 Einrichtungen (2007: 2543). Die Beiträge und Einlagen der Sozialpartner wuchsen im Vorjahresvergleich leicht auf etwas über 44 Milliarden Franken an, wobei sich der Anteil der Arbeitnehmer auf 42,9 und derjenige der Arbeitgeber auf 57,1 Prozent belief. Beide Anteile blieben im Vorjahresvergleich relativ stabil.

Nach einer Stabilisierung im Vorjahr nahmen die Überweisungen an die Versicherungen im Berichtsjahr erneut zu, um 4,8 Prozent auf 18,9 Milliarden Franken. Demgegenüber bildeten sich die Erträge aus Versicherungsleistungen nach einem Anstieg im 2007 um annähernd eine Milliarde auf 17,3 Milliarden Franken zurück.


Kontinuierliches Wachstum der Renten- und Kapitalbezüger

Die Zahl der Rentenbezüger stieg weiter an (+2,8%) und lag Ende des Berichtsjahres bei 931’000. Das ausbezahlte Rentenvolumen dehnte sich auf 22,7 Milliarden Franken (+3,9%) aus, wobei der Anstieg bei den Altersrenten bei 4,6 Prozent (auf 17 Mrd. Fr.) lag. Trotz leicht sinkender Anzahl Leistungsbezüger verharrten die Invalidenrenten auf dem Vorjahresniveau (2,4 Mrd. Fr.).

Obwohl die Zahl der Kapitalbezüger wiederum spürbar höher ausfiel und diese ein Volumen von 5,7 Milliarden Franken bezogen, reduzierte sich der Durchschnittswert des Kapitalbezuges auf 139'600 Franken. Diese Beobachtung lässt vermuten, dass die Leistungen im Alter vermehrt in Form von Kapital und Rente bezogen werden.


Aktienanlagen im Tief


Mit 219,7 Milliarden Franken (-1,9%) blieben die Obligationen weiterhin die wichtigste Anlageform. Die Aktien brachen dagegen wegen den Kursentwicklungen gegenüber 2007 um einen Drittel auf 112,4 Milliarden Franken ein; ihr Anteil an der Bilanzsumme fiel damit auf 20,9 Prozent (2007: 27,8%). Während das inländische Immobilienvermögen gegenüber dem Vorjahr auf 83,8 Milliarden Franken (+5,2%) ausgedehnt wurde, ging das ausländische um einen Fünftel auf 6,3 Milliarden Franken zurück. Der Abbau der alternativen Vermögensanlagen um 17,3 Prozent zeigt, dass diese von den Börsenwirren ebenfalls spürbar beeinflusst wurden.

Aufgrund der schlechten Börsenlage nahmen die Kurs- und Wertverluste um über 600 Prozent zu und erreichten annähernd 100 Milliarden Franken. Nach Abzug des Erfolgs verblieb den Einrichtungen aus dem Anlagegeschäft netto ein Minus von 76,2 Milliarden Franken.


Stetige Erhöhung des Vorsorgekapitals sowie der Rückstellungen


Das Wachstum des versicherungstechnischen Vorsorgekapitals und der technischen Rückstellungen entsprach ungefähr jenem des Vorjahres. Dabei trugen sowohl der Versichertenzuwachs, die längere Versicherungsdauer als auch die vermehrte Autonomie zu diesem Anstieg bei (+24,3 Mrd. Fr. bzw. +4,5%). Diese Vorsorgekapitalien erreichten am Jahresende den Wert von 567,6 Milliarden Franken (ohne Aktiven bzw. Passiven aus Versicherungsverträgen). Sie lagen damit deutlich über der gesamten ausgewiesenen Bilanzsumme und lassen damit die Deckungslücke offen zu Tage treten.


Gewichtige Unterdeckungen


Die Unterdeckung bei den privat-rechtlichen Vorsorgeeinrichtungen betrug am Ende des Berichtsjahres 21,7 Milliarden Franken. Bei den öffentlich-rechtlichen Kassen bezifferten sich diese nicht kapitalisierten Verpflichtungen auf 35,6 Milliarden Franken. Unter Berücksichtigung der noch vorhandenen Wertschwankungsreserven sowie der freien Mittel lag die gesamte Deckungslücke somit bei 47,5 Milliarden Franken.

2008 wurden deutlich weniger Sanierungsbeiträge (-83,8%) als 2007 geleistet, was grösstenteils auf die Aussetzung der Sanierungsbemühungen einer einzigen Einrichtung zurückzuführen ist. Der eigentliche Einbruch an den Börsen erfolgte erst in der zweiten Jahreshälfte, weshalb den Einrichtungen keine Zeit blieb, um Sanierungsmassnahmen einzuleiten. Einzelne Wohlfahrtsfonds oder patronale Stiftungen halfen indessen bei der Schadensbegrenzung mit, indem sie kleinere Unterdeckungen ausglichen.

Das Ergreifen von Sanierungsmassnahmen war im Frühjahr 2009 deshalb ein wichtiges Thema bei vielen Stiftungsratssitzungen. Seit der deutlichen Kurserholung auf den Börsenmärkten ab dem zweiten Quartal dieses Jahres hat sich die Lage bei vielen Pensionskassen wieder spürbar entspannt.

 

 

 

Quelle: BUNDESAMT FÜR STATISTIK, Pressestelle

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
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