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Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung der Schweiz im Jahr 2009 - Deutliche Verschlechterung der Wirtschaftstätigkeit
Neuchâtel, 26.08.2010 - (BFS) - Gemäss ersten Schätzungen der Volkswirtschaftlichen Gesam-trechnung des Bundesamtes für Statistik (BFS) verzeichnete die Schweizer Wirtschaft 2009 einen signifikanten Rückgang des Bruttoinlandproduktes (BIP). Das BIP zu laufenden Preisen sank um 1,6 Prozent. Aufgrund eines leichten Anstiegs des allgemeinen Preisniveaus verrin-gerte sich das BIP zu Vorjahrespreisen um 1,9 Prozent (2008: +1,9%). Die Konsumausgaben der privaten Haushalte legten um 1,0 Prozent zu und verhinderten damit einen weitergehenden Einbruch des BIP. Die Entwicklung des Bruttonationaleinkommens (BNE) zu laufenden Preisen fiel nach einem deutlichen Rückgang im Vorjahr (-3,8%) mit einem Plus von 10,2 Prozent aus-serordentlich positiv aus.
Einbruch der industriellen Wertschöpfung
Die Schweizer Exportwirtschaft wurde 2009 voll vom globalen Abschwung erfasst, da Letzterer zu einer Verschlechterung des Wirtschaftsumfelds der wichtigsten Handelspartner geführt hatte. Die In-dustrie wurde von der weltweiten Rezession besonders hart getroffen. So verzeichneten die Textil- und Bekleidungsindustrie sowie die Maschinen- und Anlagegüterindustrie einen erheblichen Rück-gang ihrer Tätigkeit. Die Unternehmen des Handels und insbesondere die auslandabhängigen Bran-chen (Handelsvermittlung) mussten ebenfalls einen bedeutenden Rückgang ihrer Wertschöpfung hin-nehmen. Eine Ausnahme bildete lediglich der Detailhandel, der sich dank dem robusten Inlandsmarkt gut behauptete.
Die Banken litten weiterhin unter den Auswirkungen der Finanzkrise und verzeichneten erhebliche Wertschöpfungseinbussen. Die Lage auf den Finanzmärkten verbesserte sich 2009 nur zögerlich. Im Versicherungssektor verlangsamte sich das Wachstum aufgrund einer erhöhten Schadenbelastung bei gleichzeitig geringeren Erträgen aus Anlagen, die durch eine Steigerung des Rückversicherungs-geschäfts nur teilweise wettgemacht wurden.
Der Bausektor schliesslich, der vom äusserst niedrigen Zinsniveau profitierte, konnte seine Situation nach einer schwierigen Phase 2006 und 2007 stark verbessern. Die Wertschöpfung der Branche er-höhte sich zu Preisen des Vorjahres um 3,3 Prozent, während es 2008 noch 1,1 Prozent gewesen waren.
Rückgang der inländischen Endnachfrage
Obschon sich die inländische Endnachfrage zu Preisen des Vorjahres rückläufig entwickelte (2009: -0,3% gegenüber +1,2% 2008), hielt sich dieser Abschwung in Grenzen und verhinderte damit einen weitergehenden Einbruch des BIP. Grund für dieses Ergebnis ist die robuste Verfassung der Kon-sumausgaben der privaten Haushalte und der privaten Organisationen ohne Erwerbszweck (POoE), die rund 65 Prozent des BIP ausmachen, sowie der Bauinvestitionen. Die Konsumausgaben der priva-ten Haushalte und der POoE erhöhten sich um +1,0 Prozent zu Preisen des Vorjahres. Dieses positi-ve Ergebnis ist auf die günstige Lohnentwicklung 2009 zurückzuführen. Bei den Bauinvestitionen er-gab sich ein starkes Wachstum (+3,0% zu Preisen des Vorjahres). Dieses ist die Folge eines markan-ten Zuwachses im Tiefbau, der durch grosse Infrastrukturprojekte zustande kam, sowie der intensiven Wohnbautätigkeit, die durch die ausgesprochen tiefen Hypothekarzinse begünstigt wurde.
Die Ausrüstungsinvestitionen brachen um 10,8 Prozent zu Preisen des Vorjahres ein, was die inländi-sche Endnachfrage stark belastete. Dieser Rückgang erklärt sich durch die schwierige Lage der Schweizer Industrie, deren wichtigste Exportmärkte wenig erfreuliche Perspektiven boten.
Negativer Beitrag des Aussenhandels
Wie bereits im Vorjahr verlor der Aussenhandel mit Waren und Dienstleistungen infolge der schlech-ten wirtschaftlichen Verfassung der wichtigsten Partner der Schweiz stark an Dynamik. Sowohl die Exporte als auch die Importe tendierten abwärts (-8,7% resp. -5,4% zu Preisen des Vorjahres). Ledig-lich die Dienstleistungsimporte verzeichneten ein Plus (+8,1% zu Preisen des Vorjahres). Diese spe-zielle Entwicklung ist dem deutlichen Anstieg der Einnahmen aus dem Patent- und Lizenzgeschäft und zu einem kleineren Teil dem Tourismus zuzuschreiben, der von erheblichen Preisnachlässen infolge des günstigen Wechselkurses profitierte. Alles in allem trug der Aussenhandelssaldo (Exporte minus Importe von Waren und Dienstleistungen) massgeblich (-2,5 Prozentpunkte) zum BIP-Rückgang bei.
Starker Anstieg des BNE
Das BNE, das die Summe der Einkommen der gebietsansässigen Einheiten misst, stieg 2009 um 10,2 Prozent. Dieses Ergebnis folgt auf einen bedeutenden Rückgang im Jahr 2008 (-3,8%). Ursache des Aufwärtstrends im Jahr 2009, der in klarem Gegensatz zum BIP-Rückgang steht, ist der Einbruch der ans Ausland geleisteten Vermögenserträge (-46,3%), während die aus dem Ausland zugeflossenen Vermögenserträge gleichzeitig auf den Wachstumspfad zurückfanden (+7,9%). Obschon sich das ungünstige Wirtschaftsumfeld, insbesondere auf dem Interbankenmarkt, und die tiefen Zinsen negativ auf die ausbezahlten und empfangenen Entgelte auswirkten, profitierten letztere von einem Anstieg der Erträge aus ausländischen Direktinvestitionen. Dies ist auf die Verbesserung der Situation der Auslandniederlassungen von Schweizer Banken zurückzuführen. Insgesamt ergab sich 2009 eine substanzielle Erhöhung des Saldos der Bilanz der Faktoreinkommen (Arbeits- und Kapitaleinkommen) mit dem Ausland um 60 Milliarden. Die Bilanz weist einen Überschuss von 22 Milliarden auf, vergli-chen mit einem Defizit von 38 Milliarden im Jahr 2008. Dieser Überschuss ist allerdings niedriger als derjenige vor der Finanzkrise (2006: 37 Milliarden).
BUNDESAMT FÜR STATISTIK Pressestelle
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