Defensives Anlegen als Erfolgsstrategie
29.10.11 11:01

 
28.10.2011
   In defensive Anlagen zu investieren, wird oft als verlustbringende Strategie angesehen. In Wirklichkeit sind defensive Anlagestrategien sehr erfolgreich, vor allem bei einem längeren Anlagehorizont.


Eine weitverbreitete Meinung ist, dass defensive Titel nicht vollumfänglich an einem Aufschwung der Aktienmärkte partizipieren. In Baisse-Phasen schneiden sie zwar überdurchschnittlich ab, dies aber nur auf relativer Basis, sodass absolut gesehen ein Verlust entsteht. Langfristig erweist sich eine defensive Anlagestrategie jedoch als Erfolgsstrategie. Seit 1995 liegt die Performance defensiver Titel um rund 130 Prozent über dem Marktdurchschnitt.

Nachfolgend werden die Gründe für diese Outperformance erläutert, zudem wird aufgezeigt, dass der Zeitpunkt des Ein- und Ausstiegs für eine positive Anlagerendite bei defensiven Titeln weniger entscheidend ist. Defensive Unternehmen zeichnen sich durch solide Free-Cashflow-Renditen aus, die für sichere und attraktive Dividenden sorgen. Ihre Erträge sind zudem nur in geringem Masse oder gar nicht konjunkturabhängig.


Pharmaindustrie

Die Erträge von pharmazeutischen Unternehmen hängen in erster Linie vom eigenen Produktzyklus und weniger von gesamtwirtschaftlichen Faktoren ab. Die Einnahme von Medikamenten erfolgt in der Regel ad hoc, im Gegensatz zu bestimmten fakultativen Prozessen in der Medizintechnik, die verschoben werden können. Dank hoher Bruttomargen weisen Pharmaunternehmen überdies solide Free-Cashflow-Renditen aus. Potenzial für bedeutende Kosteneinsparungen ergeben sich zudem aus den jüngsten Fusionen und Übernahmen und den angepassten Marketing- und Vertriebsstrategien, die dem Preisdruck seitens der zunehmend verschuldeten Regierungen entgegenwirken dürften.


Telekommunikation

Die defensiven Eigenschaften des Telekom-Sektors sind auf zwei Faktoren zurückzuführen: oligopolistische Marktstrukturen mit hohen Eintrittsbarrieren in den meisten Ländern sowie die Tatsache, dass in den letzten zehn Jahren der Einkommensanteil, den die Haushalte jährlich für Kommunikation ausgeben, weltweit ständig gestiegen ist. Telekommunikationsunternehmen sind aufgrund des Wettbewerbs, neuer Vorschriften und innovativer Technologien zwar einem ständigen Preisdruck ausgesetzt, ihr frei verfügbarer Cashflow wird jedoch durch die Preiselastizität der Gesamtnachfrage gestützt. Ausserdem können sie negative Auswirkungen des Preisdrucks durch Anpassungen ihrer Kostenbasis auffangen, da sie von technischen Fortschritten profitieren.


Nahrungsmittel, Getränke und Tabak

Nahrungsmittel, Getränke und Tabak sind preisgünstige Produkte des Grundbedarfs, die täglich konsumiert werden. Die Nachfrage ist deshalb relativ stabil und weniger konjunkturabhängig als bei zyklischen Konsumgütern wie Fernsehern, Autos oder Luxusuhren. Der Sektor profitiert ausserdem von einer hohen Preissetzungsmacht.

Zu verdanken ist dies der konzentrierten Marktstruktur, starken Marken und einer eingeschränkten Verhandlungsstärke der Kunden. Für den defensiven Charakter sorgt auch die geografische Diversifizierung mit einer breiten und zunehmenden Präsenz in den Schwellenländern. Synergien aus erfolgreichen Übernahmen und Massnahmen zur Kostensenkung sorgen nicht zuletzt für weiteres Ertragswachstum. Hersteller von Tabakwaren bieten im Bereich der nicht zyklischen Konsumgüter die defensivsten Eigenschaften. Wegen der Markentreue ihrer Kunden und der geringen Preiserhöhungen im Detailhandel, die den Herstellern viel Spielraum für Preissteigerungen lassen, verfügen sie über eine beispiellose Preissetzungsmacht.


Zeitpunkt des Ein- und Ausstiegs bei defensiven Anlagen weniger entscheidend

In der Regel spielt der Zeitpunkt des Ein- und Ausstiegs eine entscheidende Rolle für das Erzielen einer positiven Anlagerendite.

Bei defensiven Titeln trifft dies weniger zu. Abbildung 2 zeigt die jährliche Gesamtrendite seit dem Tiefstand des Marktes im März 2003 für eine Haltedauer von drei Jahren. Defensive Titel generierten in 78 Prozent der Fälle eine positive Rendite, gegenüber 51 Prozent für den Gesamtmarkt. Die durchschnittliche Jahresrendite lag bei 7,0 bzw. 5,2 Prozent. Ein entscheidender Faktor für die Outperformance defensiver Titel ist der Zinseszinseffekt der reinvestierten Dividenden: Je länger ein defensiver Titel gehalten wird, desto bedeutender wird der Dividendenbeitrag.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Buy-and-Hold-Anleger, die in der Regel einen längeren Anlagehorizont haben, mit defensiven Anlagen überdurchschnittliche Renditen erzielen können. Für langfristig orientierte Anleger dürfte es sich auszahlen, nachhaltige Dividendenerträge anzustreben, statt auf Aktien mit hohen Dividenden zu setzen.


Quelle: Credit Suisse
Uwe Neumann, Research Analyst Telecom, Olivier P. Müller, Research Analyst Consumer Staples, Thomas C. Kaufmann, Research Analyst Pharmaceuticals, Pascal Rohner, Research Analyst Consumer Staples, Sandro Lienhart, Research Assistant

 
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