Hyposwiss: Lösung in greifbarer Nähe
02.11.11 16:36


Die Unsicherheit an den Finanzmärkten war besonders im Vorfeld des EU-Gipfels gross. Nun hat die EU entschieden: Es gibt einen Schuldenschnitt für Griechenland‚ die Banken müssen sich rekapitalisieren und das Volumen des Rettungsfonds wird dank eines Hebels vervierfacht. Alle Unsicherheiten sind damit aber noch nicht aus dem Weg geräumt.

Auf politischer Ebene wurde fieberhaft nach einer Lösung gesucht. Dabei zeigte sich die grosse Schwierigkeit, die verschiedenen Interessen der einzelnen Mitgliedsstaaten unter einen Hut - respektive einen Rettungsschirm - zu bringen. Die Ansätze zur Lösungsfindung sind sicher richtig, aber die Umsetzung bleibt auch nach dem Schuldengipfel langwierig, was für die ungeduldigen Finanzmärkte immer wieder ein grosser Belastungsfaktor werden kann. Die Kreditwürdigkeit Spaniens und Italiens wird von den Marktteilnehmern weiterhin kritisch beäugt und wird die Entwicklung an den Märkten auch in Zukunft negativ beeinflussen. Die Renditen dieser beiden Länder bleiben einem starken Aufwärtsdruck ausgesetzt. Auf der anderen Seite sind in diesem Umfeld weiterhin «gute Schuldner» stark gesucht, was gerade bei deutschen Staatsanleihen zu einer Verzerrung am Markt führt.


Schuldenschnitt und Bankensektor

Die zweite Unsicherheit waren die Auswirkungen des Schuldenschnitts Griechenlands über 50% auf die Kapitalisierung des Bankensektors in der Eurozone. Für Banken war es lange Zeit äusserst attraktiv, Staatsanleihen zu halten, weil sie diese nicht mit Eigenkapital hinterlegen mussten. Entsprechend gross war die Sorge darüber, wie hoch die Bestände – besonders von
griechischen Staatsanleihen – bei einzelnen europäischen Banken sind. Nun ist bekannt, dass die Banken rund 106 Mrd. Euro benötigen werden. Sollte es im Zuge eines Schuldenschnitts zu grösseren Abschreibungen kommen, könnten einige Banken wieder auf staatliche Hilfe angewiesen sein.


US-Konjunktur am Scheideweg

Die dritte «Mine» wäre ein Abgleiten der US-Konjunktur in die Rezession, was wir jedoch nicht erwarten. So kommen vom US-Arbeitsmarkt wieder bessere Daten, welche auch für positive Überraschungen sorgen. Die angespannte Situation an den Finanzmärkten aber belastet, was über Stimmungsindikatoren, das Konsumentenvertrauen und die Investitionstätigkeit der Unternehmen Eingang in den makroökonomischen Datenkranz findet. Auch die Situation am US-Häusermarkt stimmt uns kritisch. Positiv schlagen dagegen wieder der Industriesektor und die expansive Geldpolitik zu Buche. Auch dass sich der ISM über der kritischen Marke von 50 hält, werten wir positiv. Unverändert gehen wir davon aus, dass es sich bei der konjunkturellen Abschwächung um eine Wachstumsdelle handelt, nicht um den Beginn einer erneuten Rezession.


Konklusion

Angesichts der bestehenden Unsicherheiten verhalten wir uns weiterhin vorsichtig und halten eine relativ geringe Aktienallokation. Aufgrund der attraktiven Bewertung vieler Aktien könnte sich ein vorsichtiger Einstieg wieder lohnen. Innerhalb der Aktien bevorzugen wir defensiv ausgerichtete Sektoren. Die Liquiditätsallokation halten wir hoch, um flexibel reagieren zu können. Bei den Obligationen bevorzugen wir eine kurze Duration. Durch ergänzende Anlagen in Obligationen von Schuldnern aus den Emerging Marktes und in High-Yield-Obligationen erhöhen wir die Rendite im festverzinslichen Bereich.




Dr. Thomas Stucki ist CIO und Mitglied der Geschäftslei­tung von Hyposwiss Privatbank. Herr Stucki hat einen Abschluss mit Doktorat in Volkswirtschaft von der Universität Bern und ist CFA Charterholder. Er führt bei Hyposwiss Privat­bank das Investment Center mit rund 30 Mitarbeitenden. Er ist verantwortlich für die Asset Allocation von Kundenmandaten im Umfang von CHF 3,4 Milliarden. Zuvor war er Leiter Asset Management der Schweizeri­schen Nationalbank.


Hyposwiss Privatbank AG

Hyposwiss Privatbank ist eine Schweizer Privatbank mit 120 Jahren Erfahrung. Mit unserer umfassenden Dienstleistungspalette betreuen wir Privatkunden nahtlos in allen Fragen der privaten Vermögensplanung und Vermögensverwaltung. Als Spezialistin für individuelle Vermögensverwaltung sind wir das Private Banking Kompetenzzentrum der St.Galler Kantonalbank Gruppe. Hyposwiss Privatbank beschäftigt 160 Mitarbeitende und betreut ein Kundenvermögen von 9‚6 Milliarden Schweizer Franken.

 

 

 
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