Lombard Odier: Schweizer Aktien - Bevorzugung der Sektoren Konsum und Gesundheit
01.12.11 11:21

 
Empfehlung:  Wir halten an der neutralen bis leicht positiven Gewichtung des relativ attraktiven Schweizer Markts fest und bevorzugen die Sektoren Konsum und Gesundheit sowie bestimmte solide Industrietitel.


Die europäischen Beschlüsse vom 26. Oktober – wahrscheinliche Ausweitung der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF), Schuldenschnitt für Griechenland und Rekapitalisierung der Banken – waren aus unserer Sicht unausweichlich, um einen unmittelbar drohenden Zusammenbruch des europäischen Bankensystems zu verhindern.


Sie reichen allerdings keineswegs aus, um die strukturellen Probleme, die der aktuellen Krise zugrunde liegen, zu lösen. Bei der Lektüre der Beschlüsse drängen sich dem Anleger einige Fragen auf: Kann mit diesen Massnahmen das Wachstum der Eurozone stimuliert werden? Wird dadurch der Verschuldungsgrad der einzelnen Länder stabilisiert oder gar reduziert? Wird die Kapitalposition der Banken gestärkt? Lauten die Antworten „nein“ – und das scheint uns der Fall zu sein –, ist weiterhin Vorsicht angebracht.

Wir sind weiter der Ansicht, dass die geplante Lösung (insbesondere die Einzelheiten zur Umsetzung der Ausweitung der EFSF und zu den für die Rekapitalisierung der Banken vorgesehenen Beträgen sind unbefriedigend) dem Problem (zu hohe öffentliche und private Schulden) nicht gerecht wird. Diese Feststellung ist wichtig, denn die Unzulänglichkeiten der geplanten Lösung sind die Ursache der Franken-Stärke.

Wir haben bereits in unseren letzten Publikationen darauf hingewiesen, dass die Probleme Europas den Schweizer Franken daran hindern, näher zu seinem fairen Wert zurückzukehren (s. Grafik I), und dies trotz der wiederholten Interventionen der SNB auf den Devisenmärkten, um die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Exportwirtschaft zu verteidigen. Der Schweizer Aktienmarkt hat weiterhin Mühe, bei einem starken Franken, der nicht nur die Gewinne der am SMI notierten Unternehmen, sondern auch die Wachstumsdynamik des Landes bremst, eine Outperformance zu erzielen. So hat die derzeitige Volatilität auch die Schweizer Indizes erfasst, die nicht in der Lage waren, ihre defensiven Eigenschaften auszuspielen.

Auf längere Sicht signalisieren die Bewertungsniveaus des Schweizer Markts (s. Grafiken II und III) weiterhin attraktive Renditen. Lediglich einige europäische Märkte (aufgrund der Verschuldungsprobleme, die eine Entschädigung der Anleger für die eingegangenen Risiken erfordern) sowie der japanische Markt weisen in unseren Augen attraktivere Bewertungsniveaus und implizite Renditen als die Schweiz auf.

Wir bleiben daher im Hinblick auf den Schweizer Aktienmarkt verhalten positiv eingestellt und favorisieren weiterhin Unternehmen ausserhalb des Finanzsektors, die eine überdurchschnittliche Bilanzqualität aufweisen und gut für ein von einem starken Franken geprägtes Umfeld gerüstet sind. Schweizer Finanzunternehmen können zwar im Vergleich mit ihren europäischen Konkurrenten als attraktiv angesehen werden. Wir bevorzugen jedoch die Sektoren Konsum und Gesundheit, vor allem wegen ihrer interessanten Dividenden, sowie einzelne solide Industrietitel. Auch die führende Position auf dem Weltmarkt, die einige heimische Konzerne errungen haben, ist nach wie vor ein entscheidendes Auswahlkriterium.


Quelle: Lombard Odier

 
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