Corporate Governance: Schweizer Grossunternehmen sind gut im Rennen
13.12.11 10:21

 
Die an der Schweizer Börse kotierten Unternehmen brauchen beim Thema Corporate Governance den Vergleich mit ihren europäischen Nachbarn nicht zu scheuen. So sieht der vom Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte herausgegebene Bericht «Corporate Governance in Switzerland» die Schweiz in mehreren Teilbereichen vor oder zumindest auf gleicher Höhe mit ihren Nachbarn.

 

Schaut man sich beispielsweise die Unabhängigkeit der Verwaltungsräte an, die ein Prüfstein für die Professionalität und Objektivität der Geschäftsführung ist, stellt der Bericht fest: 63% der Verwaltungsratsmitglieder in der Schweiz gelten als unabhängig, gegenüber 42% in Europa. Auch bei der Trennung der Funktion des Verwaltungsratspräsidenten von der des CEOs geht die Schweiz mit gutem Beispiel voran.  
 
Gestützt auf die Geschäftsberichte der 20 grössten an der Schweizer Börse kotierten Unternehmen im Jahr 2010 hat Deloitte festgestellt, dass sich diese Unternehmen im Hinblick auf bestimmte «Best Practices» im Bereich der Corporate Governance mustergültig verhalten. So sind 63% der Verwaltungsräte tatsächlich unabhängig, während dies in Europa nur für 42% zutrifft. Eine einzige im SMI enthaltene Gesellschaft hat einen Verwaltungsratspräsidenten, der auch die Position des CEO innehat.

Eine weitere Erkenntnis des Berichts: Die Mehrheit der Unternehmen in der Schweiz (58%)  wird von Nichtschweizern geführt - Internationalität hat in diesem Zusammenhang bei Schweizer Unternehmen einen höheren Stellenwert als dies in anderen Ländern der Fall ist.

In Sachen Vergütung ist in den letzten Jahren eine grössere Transparenz zu beobachten. Dank dieser Transparenz lässt sich ein deutlicher Unterschied zwischen den Bezügen des Verwaltungsratspräsidenten und den Vergütungen der Verwaltungsräte feststellen: Im Durchschnitt erhält ein Verwaltungsratspräsident CHF 3,1 Mio., während die Verwaltungsräte durchschnittlich CHF 0,4 Mio. verdienen.

«In der Regel verhalten sich die im SMI enthaltenen Unternehmen vorbildlich. Indem sie die Corporate-Governance-Regeln befolgen, tragen sie dazu bei, das Ansehen der Schweiz als attraktiver Wirtschaftsstandort zu steigern. Aber es gibt noch Verbesserungsmöglichkeiten», meint Thierry Aubertin, Leiter Westschweiz bei Deloitte.

Weitere wichtige Schlussfolgerungen der Untersuchung:
 
· In der Regel besteht ein Verwaltungsrat aus elf Mitgliedern, die im Durchschnitt 60 Jahre alt sind. Mit einer Ausnahme werden die Verwaltungsräte alle von Männern geleitet, von denen 35% zuvor die Funktion des CEO des Unternehmens innehatten.
· Mit einem Anteil von 11% sind Frauen im Allgemeinen sehr selten in den Verwaltungsräten vertreten. Ihr Anteil in den Geschäftsleitungen liegt mit 7% sogar noch tiefer. Vier im SMI enthaltene Schweizer Unternehmen haben sogar überhaupt kein weibliches Verwaltungsratsmitglied.
· 45% der weiblichen Verwaltungsräte sind in den letzten beiden Jahren ernannt worden, was auf eine neue Tendenz hindeuten könnte. Ein Grund hierfür könnten die  Quotenregelungen sein, die zum Beispiel in Norwegen oder Frankreich existieren.
· Von den 20 grössten im SMI enthaltenen Unternehmen gehen vier über die vom Schweizer Obligationenrecht vorgeschriebenen Anforderungen hinaus, indem sie die Entschädigung jedes Mitglieds der Geschäftsleitung einzeln publizieren.

Eine Übersicht der detaillierten Ergebnisse finden Sie hier.
 
 
Über Deloitte

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