Droht dem Automobilmarkt ein Einbruch?
15.12.11 12:27


Die Automobilhersteller stehen vor grossen Herausforderungen. Entscheidende Erfolgsfaktoren sind sowohl die Anpassungsfähigkeit ihrer Produkte an die Wachstumsmärkte als auch die Bereitschaft, Partnerschaften in den Bereichen Produktinnovationen und Produktion einzugehen.
 


Die weltweite Automobilbranche erlitt in den Jahren 2008 und 2009 eine beispiellose Krise, im Zuge derer die Produktion um 15,5 % auf 61,8 Mio. Fahrzeuge absackte. Als Reaktion auf den im Jahr 2009 eintretenden freien Fall wurden in vielen Ländern Förderprogramme und sonstige Anreize zur Ankurbelung des Automobilverkaufs eingeführt, so dass sich der Markt im Jahr 2010 mit einem Anstieg von 26 % stark erholen konnte. Der globale Automobilmarkt wuchs im Jahr 2011 somit um 4 bis 5 %, wobei diese positive Entwicklung, wenn auch verlangsamt, auch im Jahr 2012 anhalten dürfte.


Entwicklungsländer: sinkende Nachfrage im Jahr 2011

Die Automobilproduktion ist in den letzten fünf Jahren weltweit um 11% gestiegen. In diesem Zeitraum haben sich die Absatzmärkte in Europa (-11 %), Nordamerika (-22 %) und Japan (-34 %) stark unterdurchschnittlich entwickelt. Vielmehr sorgten die Entwicklungsländer, allen voran China mit einem Wachstum von 123 % für das Branchenwachstum. Insgesamt schwächte sich jedoch die Nachfrage in den Entwicklungsländern, die im 2009 bis 2010 Wachstumstreiber der Automobilindustrie waren, im Jahr 2011 ab und dürfte auch im Jahr 2012 weiter nachlassen.


Europa: Produktionsniveaus sind im 2011 geschrumpft

Die Lage in Europa ist differenziert zu betrachten: Nur in Deutschland ist es gelungen, das vor Ausbruch der Krise herrschende Produktionsniveau wieder zu erreichen, während die Produktionsvolumen in den Ländern Spanien, Frankreich und Italien gegenüber dem Stand von 2007 um 20 % bzw. 36 % bzw. 38 % geschrumpft sind. Diese drei Märkte hatten unter den Folgen der Nachfrageabschwächung zu leiden. Hinzu kommt jedoch im Falle von Frankreich und Italien auch die Produktionsverlagerung in kostengünstigere Regionen.


Automobilindustrie: wichtige Bedeutung für die Schweizer Wirtschaft

Obwohl es in der Schweiz, abgesehen von einigen Spezialfahrzeugherstellern, keine Autoproduktion mehr gibt, nimmt diese Industrie auch in der Schweizer Volkswirtschaft eine bedeutende Position ein. Die Schweiz ist in der Welt der Automobilindustrie durch namhafte Konzerne in der Zuliefererbranche wie Georg Fischer, Autoneum (ehem. Rieter), Feintool oder Dätwyler vertreten. Die meisten grösseren Konzerne haben schon seit langem wesentliche Produktionsbereiche in unsere Nachbarländer verlagert. Zweifelsohne spielt bei dieser Verlagerung der Kostenfaktor eine Rolle (Lohnkosten, Währungsvorteile), aber auch die Nähe zu den Produzenten ist entscheidend für die geografische Diversifikation.

Nicht zu unterschätzen ist zudem die Branche der Autoimporteure. 2010 wurden 294’239 Personenneufahrzeuge in der Schweiz abgesetzt. Es dominieren stets die grossen Importeure, namentlich Emil Frey und AMAG mit einem geschätzten Markanteil von 40 %. Doch nicht nur der Autohandel, sondern auch die damit verbundenen Wirtschaftszweige wie die Garagisten und der Ersatzteilhandel, sind wichtige Arbeitgeber. Das Schweizer Autogewerbe umfasst über 5000 Garagen und annähernd 40'000 Mitarbeitende. Gemäss Auto Gewerbe Verband Schweiz wird der jährliche Umsatz im gesamten Autogewerbe auf CHF 30 Mrd. geschätzt. Zudem wird angenommen, dass in der Schweiz jeder achte Arbeitsplatz direkt oder indirekt von der Automobilbranche abhängt.


Steht die europäische Automobilindustrie vor dem Auseinanderbrechen?

Das Motorfahrzeug-Absatzvolumen ging 2011 auch weiterhin in Europa, besonders im Süden, zurück. Der europäische Automobilmarkt befindet sich leider noch weit unter dem Vorkrisenniveau, und zwar um mindestens 15 %. Die wirtschaftliche Realität hat den Markt inzwischen eingeholt, da die Anreizmassnahmen nunmehr ausgelaufen sind. Sparbemühungen sind an ihre Stelle getreten, wodurch die Automobilbranche weiterhin in einer schwierigen Lage bleiben wird und auch nächstes Jahr um weitere 3 bis 5 % schrumpfen dürfte.


Anpassungsfähigkeit und Innovationskraft als entscheidende Erfolgsfaktoren
 
Die Automobilhersteller stehen vor grossen Herausforderungen. Zum einen müssen sie ihre Angebote und Sortimente den neuen Anforderungen der Entwicklungsländer anpassen. Zum anderen sind sie gezwungen, die Gründung von Industriepartnerschaften in den Bereichen Produktinnovation sowie Produktion zu forcieren, um ihre Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu sichern, beispielsweise mit der Entwicklung eines gewinnträchtigen "grünen" Autos.

 

 

Quelle: Euler Hermes

 
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