Der US-Dollar ist der neue „sichere Hafen“
15.12.11 16:35

Das Budgetdefizit der USA ist mit 10% des BIP höher als dasjenige der meisten Euro-Staaten. Die Schuldenuhr tickt unaufhörlich und hat die unglaubliche Zahl von 15 Trillionen Dollar erreicht. Die Politiker in Washington sind nicht in der Lage‚ zum Wohle des Landes auf ihre Eigeninteressen zu verzichten. Und dennoch flüchten die Anleger angesichts der Bedrohung eines Auseinanderbrechens des Euro in den US-Dollar.

Am 5. August 2011 hatte Standard & Poor‘s den USA das AAA-Rating entzogen. Die Politiker zeigten sich entrüstet, die Analysten sahen die Finanzierung der USA in Gefahr und die Medien übertrafen sich in ihren Untergangsszenarien. In der Zwischenzeit sind wir zur Tagesordnung übergegangen. Die Finanzierungskosten der USA haben sich dank deutlich gesunkener Zinsen reduziert und die Medien haben mit der Eurozone ein neues Tummelfeld gefunden.


Fehlende Alternativen zum US-Dollar

Dass der Dollar wieder an Vertrauen gewonnen hat, hat auch damit zu tun, dass es an Alternativen mangelt. Die Schweizerische Nationalbank hat mit ihrer faktischen Anbindung des Frankens zum Euro diesen aus dem Spiel genommen. Im Yen laufen die Anleger immer wieder Gefahr, dass die Bank of Japan mit Interventionen gegen die eigene Währung eingreift. Im chinesischen Yuan gibt es keinen freien Kapitalmarkt. Die Rohstoffwährungen wie der Australische Dollar kommen in Krisensituationen regelmässig unter die Räder. Das britische Pfund ist zur Bedeutungslosigkeit verkommen und der Euro kämpft ums Überleben.


Liquidität als positives Argument

Die Attraktivität des Dollars nur mit der Schwäche der anderen zu erklären, ist aber nicht fair und greift auch zu kurz. Die letzten Wochen haben wieder einmal gezeigt, dass in Krisensituationen die Liquidität im Handel von Wertpapieren rasch versiegt. Aber gerade in Krisenzeiten ist es entscheidend, handlungsfähig zu bleiben. US-Treasuries sind die einzige Anlage, die jederzeit in gros-sen Volumen gehandelt werden können. Deshalb sind sie für Zentralbanken, heute die grössten Anleger der Welt, nach wie vor die wichtigste Anlageklasse und damit der US-Dollar die wichtigste Reservewährung.


Dollar auch fundamental unterstützt

Auch die wirtschaftliche Entwicklung spricht für den Dollar. Während Europa sich gegen einen drohenden Rückfall in die Rezession wehren muss, hat die US-Konjunktur die Schwächephase des Sommers überwunden. Sie steht zwar  nicht vor einem Wirtschaftsboom, dürfte aber in nächster Zeit ein solides Wachstum aufweisen. Langsam aber sicher macht sich dies auch in einer Entspannung am Arbeitsmarkt bemerkbar. Die Arbeitslosenrate ist auf 8,6% gesunken. Sie ist damit deutlich höher als vor der Finanzkrise, aber doch tiefer als vor einem Jahr. Sollte dieser Trend anhalten, wird die Fed auf ein neuerliches Quantitative Easing-Programm verzichten, was wiederum dem US-Dollar hilft.


Der US-Dollar bleibt stark

Der US-Dollar hat seinen langjährigen Abwertungspfad momentan verlassen. Wir haben die Prognose für den Dollar deshalb leicht nach oben angepasst.


Prognosen 3 Monate
USD/CHF: 0.88-0.98 EUR/USD: 1.30-1.40
Prognosen 12 Monate
USD/CHF: 0.88-0.98 EUR/USD: 1.32-1.42



Hyposwiss Privatbank AG

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