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Drohende Lieferunterbrechungen haben Ängste vor stark steigenden Ölpreisen aufkommen lassen.
Was wären die Konsequenzen? Sind solche Ängste begründet?
Zwar haben nicht alle Ölpreisschocks in die Rezession geführt. Doch alle vom National Bureau of Economic Research (NBER) erfassten Rezessionen gingen mit Ölpreissteigerungen einher: Zu Beginn einer jeden Rezession schnellten sie in die Höhe, und der durchschnittliche Rohölpreis während einer Rezessionsphase lag 42% über dem Preis in normalen Zeiten.
Das zeigt deutlich, dass exogene Ölpreisschocks selten gute Nachrichten für ölimportierende Volkswirtschaften sind: Steigende Preise wirken für die Konsumenten wie eine Steuer, lösen eine „schlechte“ Inflation aus (d.h. sie entsteht unabhängig von einer gesunden Wirtschaft) und schwächen das Wachstum. Das aktuelle Konjunkturklima sollte deshalb die Anleger zu erhöhter Wachsamkeit gegenüber einem potenziellen Ölpreisschock anhalten. Die Privathaushalte in den USA versinken in Schulden und die Sparquoten sind sehr gering. Es ist daher nicht zu erwarten, dass der Privatsektor seine realen Konsumausgaben aufrechterhält, wenn die Energiepreise markant steigen (obwohl Gaspreise auf einem Allzeittief etwas Entlastung schaffen könnten). Auf Unternehmensseite würden höhere Ölpreise die Nachfrage schmälern, die Faktorpreise steigen lassen und die Margen belasten – und in der Regel gehen sie einher mit einer Ausweitung der Credit Spreads. Der Zugang zu Liquidität würde dadurch noch stärker eingeschränkt, und dies bei einer schon jetzt angespannten Kreditsituation.
Die Weigerung Irans, seine atompolitischen Ziele aufzugeben, und das darauffolgende EU-Embargo sowie die Sanktionen der USA könnten dazu führen, dass das Land die Strasse von Hormuz schliesst, durch die ungefähr ein Drittel des weltweit gehandelten Öls transportiert wird. Die Ängste sind jedoch wahrscheinlich aus folgenden Gründen übertrieben. Erstens: Die USA haben die militärischen Mittel, um die Blockade zu durchbrechen, wahrscheinlich innerhalb von zwei Wochen. Zweitens: Auch China hätte unter einer Blockade zu leiden, und Iran kann es sich nicht leisten, einen seiner besten Kunden zu verlieren. Drittens: Die strategischen Reserven der USA und die Reservekapazitäten Saudi-Arabiens reichen aus, um ein potenzielles Defizit auszugleichen.
Die strategischen Ölreserven der USA haben in 32 Jahren um 1412% zugenommen. Die Tage, an denen der Erdölbedarf mit ihnen gedeckt werden kann, stiegen von 2,5 im Jahr 1978 auf fast 37. Das bedeutet, dass die USA bei einer temporären Lieferunterbrechung viel weniger abhängig von Ölimporten geworden sind. Ausserdem haben die meisten OPEC-Staaten Reservekapazitäten aufgebaut, um ihre Produktion mit ihrer Einschätzung von Angebot und Nachfrage in Einklang zu bringen. Schätzungen der Reservekapazität Saudi-Arabiens gehen von rund 2,5 Mio. Barrel pro Tag aus, die iranische Produktion beläuft sich auf rund 4,3 Mio. Barrel pro Tag. Die Reservekapazität Saudi-Arabiens würde also fast 60% des Defizits abdecken, sollte die GESAMTE iranische Ölförderung ausfallen. Wenn dann noch ein Teil der strategischen Reserve der USA von 704,7 Mio. Barrel freigegeben wird und auch die anderen OPEC-Mitglieder ihre Förderung hochfahren, sind unseres Erachtens rasch umsetzbare Lösungen denkbar, sodass nachhaltige Auswirkungen auf die Preise weltweit abgewendet werden können.
Die Angst vor Ölpreisschüben ist wahrscheinlich ebenso übertrieben, wie das Risiko von Preisrückgängen unterschätzt wird. 2012 dürften sich die strukturellen Effekte der weltweiten Entschuldungswelle viel stärker und nachhaltiger im Ölpreistrend bemerkbar machen.
Fazit: Wir erwarten, dass die Rohölpreise volatil bleiben werden, wobei Risiken kurzzeitiger Preisspitzen im Rahmen eines strukturellen mittel- bis langfristigen Abwärtsdrucks bestehen. Die Ölpreise dürften über eine bestimmte Schwelle verharren (um USD 100 pro Barrel), damit der Finanzierungsbedarf der OPEC-Staaten für ihre Sozialprogramme, mit denen die Unruhen im Nahen Osten und Nordafrika erstickt werden sollen, gedeckt werden kann.
Quelle: Lombard Odier
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