Ausgeprägte „Wette“ auf einen schwächeren Euro
01.02.12 12:01

 
Der Euro hat seit Ende Oktober 2011 gegenüber dem US-Dollar rund 9% an Wert verloren. Die Zuspitzung der europäischen Schuldenkrise und die Zweifel an der Stabilität vieler europäischer Banken halten den Druck auf die Einheitswährung hoch. Die Shortpositionen auf den Euro haben einen neuen Höchststand erreicht.


Die Stimmung gegenüber der Eurozone ist auch im neuen Jahr schlecht und der Euro hat an den Märkten wenig Kredit. Die Teilnehmer haben sehr grosse Shortpositionen gegenüber dem Euro aufgebaut. Die Spekulation hat deshalb ein Interesse daran, dass der Druck auf den Euro anhält und die Eurozone negativ in den Schlagzeilen bleibt.


Europa stehen schwierige Wochen bevor

Frankreich hat Anfang Januar langfristige Obligationen im Wert von rund 8 Milliarden Euro emittiert. Das Land hatte keine grossen Probleme, die Emission an den Anleger zu bringen. Die Obligationen wurden zu den an diesem Tag geltenden Renditen emittiert: also alles ganz normal! In den Finanzmedien wurde aber reisserisch hervorgehoben, dass die Rendite ein paar Basispunkte höher war als bei der letzten Emission. Dies zeigt eines der Probleme der Eurozone in diesem Jahr. Die verschiedenen Länder werden fast wöchentlich neue Anleihen emittieren müssen. Dies bietet den Medien immer wieder eine Gelegenheit, um die Angsttrommel zu rühren. Spätestens im März wird zudem Griechenland die nächste Tranche der Hilfsgelder bekommen müssen, um nicht zu kollabieren. Im Vorfeld wird das Land einer weiteren Zerreissprobe ausgesetzt sein und über seinen Verbleib in der Eurozone wird wohl intensiv diskutiert werden. Die Causa Griechenland wird eine erspriessliche Quelle negativer Nachrichten bleiben.


Der Futures-Markt im Ungleichgewicht

Die Zahl der offenen Kontrakte nichtkommerzieller Investoren in den Euro/ US-Dollar-Futures an der Chicago Mercantile Exchange (CME) ist ein guter Indikator für die Positionierung des Devisenmarktes insgesamt. An der CME sind 171‘000 Shortkontrakte mehr offen als Longkontrakte. Shortkontrakte profitieren vom Rückgang des Euro, Longkontrakte wiederum spekulieren auf einen steigenden Euro. Die Nettopositionierung zu Lasten des Euro war seit seinem Bestehen noch nie so hoch. Solange der Trend zu einem tieferen Euro anhält, verdienen die Investoren auf diesen Positionen Geld. Steigt der Euro gegenüber dem Dollar, verlieren sie und die Shortpositionen werden wie 2010 rasch aufgelöst werden. Eine technische Gegenbewegung zu Gunsten des Euro ist deshalb möglich, sobald aus der Eurozone wieder bessere Meldungen kommen.


Europa profitiert von einem schwachen Euro

Die EZB und die europäische Wirtschaft dürften über die aktuelle Schwäche des Euro nicht unglücklich sein. Gerade für Deutschland, dem Zugpferd der Eurozone, und für seine Exportwirtschaft ist ein schwächerer Euro ein positiver Impuls. Diesen kann Europa gut gebrauchen, er gibt der strapazierten Wirtschaft Unterstützung.


Der Euro vorübergehend weiter unter Druck

Wir haben die kurzfristige Prognose für den Euro nach unten korrigiert, da wir davon ausgehen, dass die negative Diskussion um die Eurozone anhalten wird. Die Prognose für die nächsten 12 Monate haben wir jedoch unverändert belassen. Die europäische Wirtschaft wird von einer stärkeren US-Konjunktur profitieren und nicht so schlecht abschneiden wie dies heute erwartet wird.


Dr. Thomas Stucki ist CIO und Mitglied der Geschäftsleitung von Hyposwiss Privatbank. Herr Stucki hat einen Abschluss mit Doktorat in Volkswirtschaft von der Universität Bern und ist CFA Charterholder. Er führt bei Hyposwiss Privatbank das Investment Center mit rund 30 Mitarbeitenden. Er ist verantwortlich für die Asset Allocation von Kundenmandaten im Umfang von CHF 3,4 Milliarden. Zuvor war er Leiter Asset Management der Schweizerischen Nationalbank.


Hyposwiss Privatbank AG

Hyposwiss Privatbank ist eine Schweizer Privatbank mit 120 Jahren Erfahrung. Mit unserer umfassenden Dienstleistungspalette betreuen wir Privatkunden nahtlos in allen Fragen der privaten Vermögensplanung und Vermögensverwaltung. Als Spezialistin für individuelle Vermögensverwaltung sind wir das Private Banking Kompetenzzentrum der St.Galler Kantonalbank Gruppe. Hyposwiss Privatbank beschäftigt 160 Mitarbeitende und betreut ein Kundenvermögen von 9‚6 Milliarden Schweizer Franken.
 

 
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